Grenzeloos Maastricht

Wie wir angefangen haben: Vom leeren Raum zum Drehrestaurant

Oder: Wie man ein Sozialunternehmen gründet, ohne zu wissen, was man tut (und warum das manchmal gut funktioniert)


„Sie möchten also ein Restaurant eröffnen … ohne jegliche Erfahrung im Gastgewerbe … mit Statusinhabern … die auch noch Niederländisch lernen müssen … und das muss auch noch profitabel werden?“

Gute Frage. Vielleicht hätten wir früher darüber nachdenken sollen. 

Das praktische Puzzle

Es stellt sich heraus, dass die Gründung eines Social-Hospitality-Unternehmens wie das Jonglieren mit einem 3D-Puzzle ist. Sie müssen gleichzeitig:

  • Ein Restaurant führen, das tatsächlich Geld einbringt
  • Unterstützung für Menschen, die manchmal kaum Niederländisch sprechen
  • Aufbau rechtlicher Strukturen
  • Finanzierung vereinbaren
  • Ein Team aufbauen
  • Halten Sie alle Arten von Gesetzen und Vorschriften ein
  • Ach ja, und sorge dafür, dass das Essen auch lecker ist.

Wir starteten mit dem, was wir hatten: einem leeren Raum, vielen guten Vorsätzen und einem Starthilfezuschuss der Gemeinde Maastricht. Letzterer war entscheidend – diese Unterstützung gab uns den Startschuss.

Vom Wohnzimmer zum Restaurant

Der Umbau war ein Abenteuer für sich. Wir hatten uns etwa 38 Sitzplätze im Innenbereich sowie Terrassen vor und hinter dem Haus vorgestellt. Alles musste den Gastronomieanforderungen entsprechen, aber wir hatten keine Ahnung, was das alles bedeutete. Glücklicherweise bekamen wir viel Unterstützung von einem Freund mit viel Erfahrung in der Gastronomie. Schritt für Schritt kämpften wir uns durch den Dschungel aus Genehmigungen, HACCP-Anforderungen und Brandschutzbestimmungen.

Es war eine Zeit des Lernens und noch mehr Fehler. Jeder Tag brachte neue Herausforderungen mit sich: von der Wahl der richtigen Registrierkasse bis hin zur Entwicklung von Arbeitsabläufen, die sowohl für erfahrene Köche als auch für Anfänger funktionierten.

Das Team: Wer macht eigentlich was?

Eines der größten Rätsel war der Aufbau eines Teams, da wir zwei parallele Organisationen brauchten:

  • Ein Catering-Team, das den Restaurantbetrieb aufrechterhielt
  • Vorgesetzte, die Statusinhaber coachen und anleiten können

Wir begannen mit einer kleinen Gruppe junger Gastronomiefachkräfte, die als Buddys mit den Auszubildenden zusammenarbeiteten und wir selbst als Leitung (fast Vollzeit, unbezahlt pro Person – aber das wäre wohl nur vorübergehend, dachten wir). Wir selbst waren „Tagesverantwortliche“, also Teamleiter. 

Die ersten Mitarbeiter waren eine Mischung aus Menschen mit Erfahrung im Gastgewerbe und Menschen, die genauso grün waren wie wir. Was uns verband, war der Glaube an die Mission.

Der Auftakt: Nervenaufreibend und herzerwärmend

Nach monatelanger Vorbereitung war es endlich soweit: die Eröffnung. Ein ausgewählter Kreis von Freunden, Familie und Interessenten durfte als Erstes im Laden sitzen und probieren, was wir zusammengebastelt hatten. Und dann waren sie da: die ersten Gäste. 

Es herrschte Chaos. Die Kasse funktionierte nicht, der Kaffee war zu stark und die Toasts brannten an. Frits wurde plötzlich klar, dass von nun an jeden Tag Kaffee gekocht werden musste. Doch etwas Magisches geschah auch: Die Gäste kamen ins Gespräch, es wurde gelacht, und man spürte, dass etwas Besonderes entstand.

Die ersten Kandidaten

In der Zwischenzeit arbeiteten wir intensiv mit Podium24 und Beratern des Sozialdienstes zusammen, um unsere ersten Statusinhaber zu finden. Schritt für Schritt machten wir Fortschritte und nach etwa zwei bis drei Monaten Öffnung kam unser erster Praktikant durch die Tür.

Unsere erste Gruppe bestand aus Menschen unterschiedlicher Herkunft: Menschen aus Syrien, Eritrea und Afghanistan. Einige hatten einen Universitätsabschluss, andere konnten kaum lesen und schreiben. Alle einte der Wunsch, in den Niederlanden zu arbeiten.

Und so begann unsere Reise, auf der wir lernten, Statusinhaber zu führen. Voller Mut, aber auch mit viel Lernstoff. 

Die Realität schlägt zu

Innerhalb weniger Monate wurde klar, dass wir uns das Leben nicht leichter gemacht hatten. Der Umsatz war niedriger als erwartet, die Supportkosten höher und jeder Tag brachte neue Herausforderungen mit sich.

Aber wir hatten etwas geschaffen. Einen Ort, an dem Menschen wirklich voneinander lernen konnten. Wo Statusinhaber nicht nur Niederländisch übten, sondern auch Selbstvertrauen bauten. Wo Gäste nicht nur wegen des Kaffees, sondern auch wegen der Geschichten kamen.

Es war der Beginn von sechs Jahren voller Höhen und Tiefen, Durchbrüchen und Rückschlägen, Erfolgen und Frustrationen. Aber vor allem: sechs Jahre, in denen wir bewiesen haben, dass man mit einer guten Idee, viel Durchhaltevermögen und viel herzlicher Hilfe gemeinsam Großes erreichen kann.

Obwohl wir damals noch nicht wussten, dass wir vor einem der schwierigsten Balanceakte unseres Lebens standen: Unternehmer zu sein und gleichzeitig etwas zu bewirken.


Im nächsten Blog tauchen wir in eine unserer größten Herausforderungen ein: Wie findet man tatsächlich Statusinhaber, die teilnehmen möchten? Und warum sich das als viel schwieriger herausstellte als gedacht.

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